Tohuwabohu - Visualisierung

Tohuwabohu

Aussprache: [ˌtoːhuvaˈboːhuː]
Definition:

Zustand völliger Unordnung, heilloser Durcheinander oder chaotischer Wirrwarr. Bezeichnet ein Chaos, das kaum zu überblicken oder zu bändigen ist.

Etymologie:

Aus dem Hebräischen תֹּהוּ וָבֹהוּ (tohu wa-bohu), wörtlich 'wüst und leer'. Der Ausdruck stammt direkt aus dem ersten Buch Mose (Genesis 1,2), wo er den Zustand der Erde vor der Schöpfung beschreibt: 'Die Erde war wüst und leer.' Über die lateinische Bibelübersetzung (Vulgata) und Martin Luthers Bibelübertragung gelangte das Wort im 16. Jahrhundert ins Deutsche. Während es im Hebräischen den kosmischen Urzustand vor jeder Ordnung meint, verengte sich die Bedeutung im Deutschen auf ein alltägliches, oft humorvolles Durcheinander.

Tohuwabohu im Alltag

Wenige deutsche Wörter tragen eine so alte Geschichte in sich wie das Tohuwabohu. Wer es ausspricht, zitiert — meist unwissentlich — die ersten Zeilen der Bibel. Dort beschreibt es nichts Geringeres als den Zustand vor der Entstehung der Welt: eine formlose, leere Urfinsternis. Im heutigen Sprachgebrauch ist das Wort deutlich weltlicher geworden, doch es bewahrt einen Hauch jener kosmischen Dimension. Ein Tohuwabohu ist nie nur ein bisschen Unordnung — es ist das große, überwältigende Chaos, das einen fast ehrfürchtig staunen lässt.

Beispiele

  • Nach dem Umzug herrschte in der neuen Wohnung ein komplettes Tohuwabohu — überall Kartons, nirgends das Geschirr.
  • Der erste Schultag nach den Sommerferien ist traditionell ein einziges Tohuwabohu aus verlorenen Stundenplänen und falschen Klassenzimmern.
  • Die politische Debatte endete in einem solchen Tohuwabohu, dass selbst die Moderatorin den Überblick verlor.
  • Auf dem Flohmarkt ging es zu wie im Tohuwabohu: Menschen drängten sich zwischen Bergen von Trödel, Rufe hallten durcheinander.
  • Wenn drei Kinder gleichzeitig Geburtstag feiern, ist das Tohuwabohu vorprogrammiert — und meistens der beste Teil.

Warum ein biblisches Wort für Alltagschaos?

Die Reise des Wortes vom kosmischen Urzustand zum Kinderzimmer-Chaos ist selbst eine kleine Kulturgeschichte. Martin Luther übersetzte die hebräische Wendung 1534 als ‘wüst und leer’, doch das Originalwort blieb als Fremdkörper im Deutschen haften — vermutlich, weil es so wunderbar lautmalerisch klingt. Das rollende ‘Tohu’, das weiche ‘wa’, das ausklingende ‘bohu’: Es klingt selbst ein wenig nach dem Durcheinander, das es beschreibt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es dann zum beliebten Ausdruck der gehobenen Umgangssprache und hat sich bis heute gehalten — eines der ältesten Lehnwörter, die wir im Deutschen pflegen.

Abgrenzung

BegriffBedeutung
TohuwabohuUmfassendes, oft humorvolles Durcheinander
ChaosNeutraler, allgemeiner Unordnungsbegriff
WirrwarrVerwirrende Unübersichtlichkeit
KuddelmuddelUmgangssprachlich, eher harmloses Durcheinander
SchlamasselEbenfalls hebräisch-jiddisch; betont die missliche Lage
Fachbereich: Alltag , Kultur
Herkunft: Deutsch