Etwas dringend Erwünschtes, das fehlt; eine Lücke in einer Sammlung, einem Wissensgebiet oder einer Bibliothek.
Desiderat
Vom lateinischen 'desideratum' (das Vermisste, Erwünschte), Partizip von 'desiderare' (vermissen, sich sehnen nach). In Bibliotheken bezeichnete ein Desiderat ein fehlendes Werk, das angeschafft werden sollte. Der Begriff weitete sich auf jede Art von identifizierter Lücke aus.
Desiderat im Alltag
Ein Desiderat ist mehr als eine Lücke — es ist eine Lücke, die auffällt. Wer ein Desiderat benennt, sagt: Hier fehlt etwas, und es sollte da sein. In der Wissenschaft sind Desiderate der Motor der Forschung; in der Bibliothek die Grundlage der Anschaffungspolitik.
Beispiele
- Eine umfassende Biografie dieses Komponisten bleibt ein Desiderat der Musikwissenschaft.
- “Die fehlende Barrierefreiheit ist ein Desiderat unserer Stadtplanung.”
- Im Bibliothekswesen werden Desiderata-Listen gepflegt — Bücher, die dringend angeschafft werden sollten.
- Eine gute Enzyklopädie erkennt man daran, dass sie wenige Desiderate hat.
- Die Digitalisierung historischer Quellen ist ein zentrales Desiderat der Geschichtswissenschaft.
Warum nicht einfach “Lücke”?
“Lücke” ist neutral — sie kann zufällig sein. Ein Desiderat hingegen ist eine bewusst identifizierte, als schmerzlich empfundene Lücke. Es steckt eine Sehnsucht darin (lateinisch ‘desiderare’), ein Verlangen nach Vervollständigung. Wer von einem Desiderat spricht, fordert implizit auf, es zu füllen.
Abgrenzung
| Begriff | Bedeutung | Unterschied zum Desiderat |
|---|---|---|
| Lücke | Fehlende Stelle | Neutral, keine Wertung |
| Defizit | Mangel, Fehlbetrag | Quantitativer, messbarer |
| Desideratum | Lateinische Singularform | Synonymer Fachbegriff |
| Postulat | Forderung, Grundsatz | Stärker fordernd, theoretischer |