Eine Aussage, Theorie oder Hypothese durch Gegenbeweis widerlegen; als falsch erweisen.
falsifizieren
Vom lateinischen 'falsificare' (als falsch erweisen), zusammengesetzt aus 'falsus' (falsch) und 'facere' (machen). Karl Popper machte die Falsifizierbarkeit zum Kern seiner Wissenschaftstheorie: Eine Theorie ist nur dann wissenschaftlich, wenn sie prinzipiell falsifizierbar ist — also durch Beobachtungen widerlegt werden könnte.
Falsifizieren im Alltag
Karl Poppers große Idee war einfach: Wissenschaft funktioniert nicht, indem man Theorien beweist, sondern indem man versucht, sie zu widerlegen. Was allen Falsifizierungsversuchen standhält, darf — vorerst — als wahr gelten. Was falsifiziert wird, muss verworfen oder korrigiert werden.
Beispiele
- Die Behauptung “Alle Schwäne sind weiß” wurde durch die Entdeckung schwarzer Schwäne in Australien falsifiziert.
- Eine Theorie, die nicht falsifizierbar ist, ist nach Popper keine Wissenschaft — sondern Metaphysik.
- “Sein Alibi wurde durch die Videoaufnahme falsifiziert.”
- Gute Wissenschaft sucht aktiv nach Wegen, die eigene Hypothese zu falsifizieren.
- “Können Sie Ihre Behauptung belegen — oder zumindest sagen, was sie falsifizieren würde?”
Warum nicht einfach “widerlegen”?
“Widerlegen” ist das deutsche Pendant und in den meisten Kontexten gleichwertig. “Falsifizieren” hat jedoch einen engeren, wissenschaftstheoretischen Sinn: Es bezieht sich auf das systematische Testen von Hypothesen im Sinne Poppers. Wer “falsifizieren” sagt, verweist damit implizit auf eine ganze wissenschaftsphilosophische Tradition.
Abgrenzung
| Begriff | Bedeutung | Unterschied zu falsifizieren |
|---|---|---|
| Widerlegen | Als falsch beweisen | Allgemeiner, weniger philosophisch |
| Verifizieren | Als wahr bestätigen | Gegenteil (bestätigen statt widerlegen) |
| Entkräften | Argumente schwächen | Schwächer, nicht endgültig |
| Konterkarieren | Entgegenwirken | Auf Handlungen bezogen, nicht auf Wahrheit |