Fantasievoll, ausgeschmückt und oft frei erfunden erzählen; Geschichten spinnen, die nicht der Wahrheit entsprechen müssen.
fabulieren
Vom lateinischen 'fabulari' (erzählen, plaudern), abgeleitet von 'fabula' (Erzählung, Fabel, Geschichte). Die lateinische Wurzel steckt auch in 'Fabel', 'fabelhaft' und dem englischen 'fabulous'. Im Deutschen schwankt die Bedeutung zwischen positiv (kreativ erzählen) und negativ (aufschneiden).
Fabulieren im Alltag
Wer fabuliert, erzählt nicht einfach — er erfindet, schmückt aus, dichtet hinzu. Fabulieren kann Kunst sein (Gabriel García Márquez war ein Meister des Fabulierens) oder Laster (der Onkel, der bei jedem Familientreffen seine Abenteuer immer größer werden lässt).
Beispiele
- Kinder fabulieren ganz natürlich — ihre imaginären Freunde sind Meisterwerke des Geschichtenerzählens.
- “Er fabulierte von seinem angeblichen Treffen mit dem Präsidenten, doch niemand glaubte ihm.”
- Scheherazade fabulierte 1001 Nächte lang — und rettete damit ihr Leben.
- Manche Autoren schreiben; andere fabulieren. Der Unterschied liegt in der Freiheit der Fantasie.
- “Fabulier nicht so — erzähl einfach, was wirklich passiert ist.”
Warum nicht einfach “erzählen”?
“Erzählen” ist neutral — man kann Fakten erzählen. “Fabulieren” hingegen signalisiert immer eine kreative Freiheit: Wer fabuliert, nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau, dafür umso genauer mit der guten Geschichte. Es ist die Kunst des Erzählens, bei der die Wirkung wichtiger ist als die Wirklichkeit.
Abgrenzung
| Begriff | Bedeutung | Unterschied zu fabulieren |
|---|---|---|
| Erzählen | Wiedergeben, berichten | Neutral, kann wahrheitsgetreu sein |
| Lügen | Bewusst die Unwahrheit sagen | Böswillig, täuschend |
| Dichten | Kunst des Verfassens | Formaler, literarischer |
| Flunkern | Harmlos schwindeln | Umgangssprachlicher, verharmlosend |