Ein schwacher, halbherziger Wunsch oder eine flüchtige Absicht, die nie in Handlung umgesetzt wird. Das bloße Wollen ohne den Willen zur Tat.
Velleität
Vom spätlateinischen 'velleitas', abgeleitet von 'velle' (wollen). Die lateinische Wurzel teilt sich mit 'voluntas' (Wille), doch während voluntas die entschlossene Willenskraft bezeichnet, beschreibt velleitas deren Schatten: das kraftlose, unvollständige Wollen. Der Begriff wurde im 17. Jahrhundert in der scholastischen Philosophie geprägt, um den Unterschied zwischen echtem Willensentschluss und bloßem Wünschen begrifflich zu fassen. Im Deutschen tauchte das Wort als Fachbegriff der Philosophie auf und blieb stets bildungssprachlich.
Velleität im Alltag
Wer kennt es nicht: Man nimmt sich vor, endlich Klavier zu lernen, die Steuererklärung zu machen oder morgens joggen zu gehen — und tut es dann doch nicht. Nicht aus Vergesslichkeit, nicht aus Zeitmangel, sondern weil der Wunsch nie über das Stadium des vagen Wollens hinauskommt. Genau diesen Zustand beschreibt die Velleität: das Wollen ohne Wille, die Absicht ohne Antrieb, der Traum, der sich bequem im Konjunktiv einrichtet.
Beispiele
- Die tägliche Velleität, Sport zu treiben, löst sich spätestens auf der Couch in Wohlgefallen auf.
- Sein Vorsatz, Italienisch zu lernen, war reine Velleität — die Sprachapp blieb nach drei Tagen ungeöffnet.
- Die politischen Versprechen entpuppten sich als Velleitäten: viel Rhetorik, keine Umsetzung.
- ‘Ich sollte mal wieder ein Buch lesen’ ist die Velleität unserer bildschirmgetriebenen Zeit.
- Zwischen dem festen Entschluss und der Velleität liegt ein ganzes Universum an Selbstdisziplin.
Warum Velleität und nicht einfach ‘Wunschdenken’?
Wunschdenken beschreibt den Glauben, dass etwas eintreten wird, weil man es sich wünscht. Velleität geht tiefer: Sie benennt nicht die Illusion über die Zukunft, sondern die Schwäche des eigenen Willens in der Gegenwart. Der Philosoph Thomas von Aquin unterschied in seiner Willenstheorie zwischen ‘voluntas’ — dem vollständigen, handlungsfähigen Willen — und ‘velleitas’ — dem halben, unentschlossenen Wollen. Velleität ist damit kein Versagen der Umstände, sondern ein Zustand des Geistes: Man will wollen, kann es aber nicht ganz.
Abgrenzung
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Velleität | Schwacher Wunsch ohne Handlungsimpuls |
| Prokrastination | Aufschieben trotz vorhandener Absicht |
| Wunschdenken | Irrationale Hoffnung auf ein Ergebnis |
| Ambition | Starker, zielgerichteter Antrieb |