Idiosynkrasie - Visualisierung

Idiosynkrasie

Aussprache: [ˌidiozynˈkʁaːziː]
Definition:

Eine ausgeprägt persönliche, oft unerklärliche Abneigung oder Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Dingen, Menschen oder Erscheinungen. Im weiteren Sinne auch eine individuelle Eigentümlichkeit oder Besonderheit.

Etymologie:

Aus dem Griechischen: idios ('eigen, persönlich') + syn ('zusammen') + krasis ('Mischung'). Wörtlich also die 'eigene Zusammenmischung' -- ursprünglich ein medizinischer Terminus der antiken Säftelehre für die individuelle Körperkonstitution. Im 18. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung vom rein Medizinischen hin zur persönlichen Eigenart und schließlich zur unerklärlichen Abneigung.

Idiosynkrasie im Alltag

Jeder Mensch kennt sie: diese eine Sache, die andere völlig kaltlässt, aber einen selbst innerlich zusammenzucken lässt. Das Quietschen von Styropor, der Anblick bestimmter Muster, die Art wie jemand kaut — Idiosynkrasien sind die unerklärlichen Antipathien, die uns einzigartig machen. Sie lassen sich nicht rational begründen, nicht wegdiskutieren und schon gar nicht abstellen. Und genau das macht sie so faszinierend: Sie zeigen, wie individuell unser Empfinden tatsächlich ist.

Beispiele

  • ‘Seine Idiosynkrasie gegen das Geräusch von Kreide auf einer Tafel war so stark, dass er den Raum verlassen musste.’
  • ‘Manche Autoren pflegen regelrechte Idiosynkrasien: Thomas Mann etwa hatte eine tiefe Abneigung gegen bestimmte Wörter.’
  • ‘Es gehört zu den liebenswerten Idiosynkrasien meiner Großmutter, dass sie Plastikblumen für eine persönliche Beleidigung hält.’
  • ‘Die kulinarische Idiosynkrasie meines Kollegen geht so weit, dass er den Raum verlässt, wenn jemand eine Banane schält.’
  • ‘In der Philosophie spricht man von Idiosynkrasien, wenn persönliche Abneigungen das Denken eines Autors prägen — bei Nietzsche etwa seine Idiosynkrasie gegen das Mitleid.‘

Warum Idiosynkrasie?

Das Wort trägt seine Geschichte in sich: Die antiken Ärzte glaubten, jeder Mensch habe eine einzigartige Mischung der vier Körpersäfte — Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Diese individuelle Mischung, die krasis, bestimmte Temperament und Empfindlichkeiten. Eine Idiosynkrasie war also ursprünglich eine körperliche Eigenheit, bevor sie zur seelischen wurde.

Heute schwingt im Wort beides mit: das Medizinische (eine allergische Reaktion kann als Idiosynkrasie bezeichnet werden) und das Psychologische (die unerklärliche Aversion). Gerade diese Doppelbedeutung macht das Wort so präzise — es beschreibt etwas, das tiefer sitzt als eine bloße Vorliebe oder Abneigung, etwas das zum Wesen einer Person gehört.

Abgrenzung

BegriffBedeutung
IdiosynkrasieTief sitzende, oft unerklärliche persönliche Abneigung oder Eigenart
AntipathieAllgemeine Abneigung gegen jemanden oder etwas
PhobieKrankhafte, übersteigerte Angst mit Vermeidungsverhalten
AllergieImmunologische Überreaktion des Körpers auf bestimmte Stoffe